Naturnahes Hochwasserrückhaltesystem Sasel eröffnet: mehr Schutz und Artenvielfalt an der Berner Au

Das Hochwasserrückhaltebecken (HRB) am Meiendorfer Mühlenweg wurde zur Verbesserung des Hochwasserschutzes und zur Steigerung der Artenvielfalt erweitert und nun der Öffentlichkeit übergeben.

Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff eröffnete heute die Anlage mit dem umgestalteten Wegenetz im Rahmen eines Rundgangs gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Bürgerinitiative „Kein ÜSG Berner Au“, der Kommunalpolitik sowie den verantwortlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung und den ausführenden Baufirmen und der interessierten Öffentlichkeit.

Das Becken wurde zu einem naturnahen Hochwasserrückhaltesystem umgebaut. Die bisherige nördliche Grünfläche ist nun als Ersatzaue Teil des Beckens, das umfassend entschlammt wurde. Die Berner Au wurde leicht verlegt und mäandriert nun in das Becken. Findlinge im Bach verhindern, dass aufkommendes Hochwasser zu schnell fließt.

Die Berner Au wird künftig durch Überflutungsflächen geführt und am Ende der Fläche Süd gedrosselt. Eine Sohlschwelle ersetzt den bisherigen hölzernen Sohlabsturz und lenkt das Wasser in Richtung dieser Flächen. Eine nördliche Überflutungsfläche hält erstes Hochwasser zurück. Östliche und südliche Überflutungsflächen für starkes Hochwasser wurden ebenso fertiggestellt. Zwei neue Brücken überqueren die Zuläufe in das Becken.

Der Spazierweg führt nun als Bohlenweg durch die frühere Grünfläche. Er bleibt auch bei Hochwasser begehbar, sodass der Rundgang um das Becken erhalten bleibt. Das bisherige Wehr ist durch ein neues Ablaufwerk ersetzt worden, das den Abfluss regelt und Fischen die Passage ermöglicht. Im Juli 2026 wurde außerdem ein Durchlass oberhalb des Beckens erneuert, um die ökologische Durchgängigkeit des Gewässers zu verbessern.

Das Rückhaltevolumen steigt auf 53.000 m³, ein Plus von 31.000 m³ gegenüber dem Bestand. Nach dem hydraulischen Modell des LSBG wird der Teilstrom aus dem Oberlauf zeitlich vom Wasserzulauf aus den Regensielen entkoppelt. Das gilt als besonders wirksam. Ökologisch sollen Fischdurchgängigkeit, Biotope im Wasserwechselbereich und Gehölzstrukturen verbessert werden.

Aktuell folgen noch einige Pflanz- und kleinere Wegebauarbeiten sowie die Setzung eines Wildschutzzaunes, um die neuen Anpflanzungen vor Verbiss durch Wild zu schützen.

Das Bezirksamt Wandsbek investiert rund 7 Mio. Euro in die Erweiterung des Rückhaltebeckens. Der Bund fördert das Projekt im Rahmen des Aktionsprogramms zum Natürlichen Klimaschutz (ANK) davon mit einem Fördervolumen von rund 4,81 Mio. Euro.

Die Maßnahme geht auf die Überschwemmungsgebietsausweisung der Berner Au aus dem Jahr 2017 zurück. Anwohnerinnen und Anwohner sowie Grundeigentümer hatten sich dagegen gewehrt. Nach Gesprächen an runden Tischen mit der Bürgerinitiative und der Verwaltung entstand das nun umgesetzte Konzept.

Der Bezirksamtsleiter bedankte sich in seiner Rede zur Eröffnung als allererstes bei den Vertreterinnen und Vertretern der Bürgerinitiative, die durch ihre beharrliche und konstruktive Begleitung das Projekt maßgeblich vorangebracht haben. Ebenso galt sein Dank den Planern und Ausführenden – das Ergebnis könne sich sehen lassen, führe zu mehr Sicherheit vor Überschwemmungen bei Hochwasserereignissen für die Anlieger und biete mehr Naherholungsraum und auch die Natur profitiere durch die Umgestaltungsmaßnahmen. Jetzt solle man das Gebiet wieder in Besitz nehmen auch gut darauf achtgeben.

Foto: Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff beim feierlichen Durchschneiden des Bandes zur Eröffnung am neuen Bohlensteg mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem Bezirksamt Wandsbek.

v.l.n.r.: Katja Esch, Karsten Schröder, Annette Glowania, Thomas Ritzenhoff.

Foto: André Schneider